Farbvererbung bei der Deutschen Dogge
von Elke und Lothar Rechtacek

Bekanntermaßen wird die Deutsche Dogge in fünf Farbschlägen gezüchtet: Gelb, Gestromt, Schwarz, Blau und Gefleckt. Hierbei darf laut Zuchtreglement des DDC verpaart werden:

gelb mit gelb,
gelb mit gestromt
und gestromt mit gestromt,
blau mit blau,
blau mit schwarz aus Blauzucht sowie
schwarz aus blau mit schwarz aus blau,
gefleckt mit schwarz aus gefleckt und natürlich
schwarz aus gefleckt mit schwarz aus gefleckt.

Gefleckt mal gefleckt ist lt. Tierschutzgesetz (Qualzuchtparagraph) verboten, da die Gefahr doppeltfaktoriell Merle tragenden Nachwuchses besteht (sog. Weißtiger), welche Sinnesanomalien aufweisen können (nicht müssen).

Das heißt, es gibt in der Doggenzucht drei voneinander unabhängige Zuchtlinien – gelb/gestromt, schwarz/blau und gefleckt/schwarz.

Die Reinfarbenzucht erhöht den Grad der Homozygotie und damit die Sicherheit der Vererbung der gewünschten Farben ohne den Anflug anderer Farben oder gar dem Standard nicht entsprechende sogenannter Fehlfarben. Der Züchter ist, zumindest was die Farbe betrifft, vor Überraschungen geschützt. Trotz aller Vorzüge der Reinfarbenzucht haben aber in der Vergangenheit auch Farbkreuzungen zur Verbesserung unse­rer Doggen beigetragen.

In den 30er Jahren hatte die reine Blauzucht ihre Grenzen erreicht. Die blauen Doggen wurden immer leichter und die Köpfe immer spitzer und seichter. Beispielgebend hierfür die Reichssiegerin 1936 "Pia vom Inn"

In dieser Zeit waren es die Gelb-Gestromten, die allen anderen Farben überlegen waren; und ihre bekanntesten Vertreter, der gelbe "Bosko" und sein legendärer Sohn, der gestromte "Dolf von der Saalburg" , standen Pate bei der Rettung des blauen Farbschlages.

Aber nicht nur in die Blauen wurde "Dolf" eingekreuzt. Die gefleckte "Ute Orplid" warf nach "Dolf", wovon der gefleckte Sohn "Jagla Moguntia" besondere Erwähnung findet, da er der Linienbegründer der gesamten Geflecktzucht im Zwinger "Funcken von der Heide" wurde, die damals zur Spitze der gefleckten Doggen zählte. Der schwarze "Salko Funcken von der Heide", ein Enkel von "Jagla Moguntia", wurde dann unter anderen zum Stammvater der blauen Doggen "von der Förde", „Himmelsfürst“ usw.

Die Farbkreuzung hat also den Vorteil, gewünschte Eigenschaften der verschiedenen Farbschläge zu kombinieren und besondere Anlagen eines Farbschlages in die anderen zu holen. So haben die gelben Doggen mit ihren besseren Köpfen in der Vergangenheit bei allen Farben Pate gestanden. Die Farbkreuzung bringt eine erwünschte Blutauffrischung und damit eine Verbesserung von Vitalität und Konstitution durch die Erhöhung des allgemeinen Heterozygotie-Grades und gleicht damit den Nachteil der geringfügigen Verschlechterung der Farbe wieder aus. Allerdings wäre es auch ein Fehler zu glauben, die Farbkreuzung sei ein Allheilmittel zur Gesundung der Rasse. Rezessiv vorhandene Erbkrankheiten werden zwar zunächst verschleiert, aber dennoch verdeckt weitergetragen.

Durch die jahrzehntelange Reinfarbenzucht bei begrenztem Potential ist ein gewisser Inzuchtgrad unvermeidbar, noch dazu, wo in den einzelnen Farbschlägen nicht die Breite der zur Verfügung stehenden Rüden genutzt wurde, sondern der Run auf den Sieger auf der Tagesordnung stand und noch heute steht.

Heute gibt es im DDC die Möglichkeit einer genehmigungspflichtigen sog. Sanierungszucht, hierbei werden Farbkreuzungen zugelassen.

Deshalb dürfte es für jeden Züchter von Interesse sein, welche Farben denn bei einer solchen Kreuzung fallen. Diese Frage wollen wir jetzt anhand ausgesuchter Beispiele beantworten:

Es wird für den Leser nicht neu sein, dass die Vererbung bei den Deutschen Doggen hauptsächlich den dominant-rezessiven Erbgang geht. Jedoch sollten wir davon ausgehen, dass circa zehn Gene für die Farbvererbung verantwortlich sind, von denen uns der verständlichen Vereinfachung wegen nur drei erst einmal interessieren sollten. Gene für Stromung, Maske, Abzeichen, Weißfleckigkeit und extreme Weißfleckigkeit lassen wir beiseite und gehen von folgenden Genen und ihren Allelen aus.

 M

Merle (Geflecktfaktor)

 m

Fehlen von Merle (vollständige Pigmentierung)

 d

Blau (Pigmentverklumpung, optische Aufhellung)

 D

Fehlen von Blau (Keine Verklumpung; also schwarz)

 e

Gelb (Pigmentverdünnung)

 E

Fehlen von Gelb (keine Verdünnung; also schwarz)


Ausgangsformeln bei Genkombinationen

 mm dd EE

reinerbig blau

 mm DD ee

reinerbig gelb

 mm DD EE

reinerbig schwarz

 MM DD EE

reinerbig weißschecke

 Mm DD EE

mischerbig gefleckt

 mm dd Ee

blau/mischerbig gelb

 mm Dd ee

gelb/mischerbig blau

 usw.


Kreuzung von reinerbig blau mal reinerbig gelb

ddEE  x  DDee

Gametenbildung und Erbgang

 Uniformitäts

De

De

De

De

 gesetz

 dE

DdEe

DdEe

DdEe

DdEe

 dE

DdEe

DdEe

DdEe

DdEe

 dE

DdEe

DdEe

DdEe

DdEe

 dE

DdEe

DdEe

DdEe

DdEe

Alle Nachkommen sind schwarz heterozygot und tragen jeweils ein Allel für blau und ein Allel für gelb.


Verpaarung zweier Doggen aus oben genannter Kreuzung

DdEe x DdEe

Gametenbildung und Erbgang

Kombinations

DE

De

dE

de

gesetz

DE

DDEE

DDEe

DdEE

DdEe

De

DDEe

DDee

DdEe

Ddee

dE

DdEE

DdEe

ddEE

ddEe

de

DdEe

Ddee

ddEe

ddee







In dieser Verbindung fallen von 16 Welpen

1 Welpe reinerbig schwarz (DDEE)

2 Welpen schwarz/mischerbig gelb (DDEe)

2 Welpen schwarz/mischerbig blau (DdEE)

4 Welpen schwarz/mischerbig blau und gelb (DdEe)

1 Welpe reinerbig gelb (DDee)

1 Welpe reinerbig blau (ddEE)

2 Welpen gelb/mischerbig blau (Ddee)

2 Welpen blau/mischerbig gelb (ddEe)

1 Welpe doppelfaktoriell blau-gelb, Fehlfarbe Isabell (ddee)

Das heißt, daß im Phänotyp 9 schwarze Welpen, 3 gelbe, 3 blaue und eine isabellfarbige Fehlfarbe fallen.

Aus zwei Blauen (mischerbig gelb) fallen nie gelbe Welpen, sondern nur blaue und isabellfarbene im Verhältnis 3:1.

Aus zwei Gelben (mischerbig blau) fallen nie blaue Welpen, sondern nur gelbe und isabellfarbene im Verhältnis 3:1

Die folgende Verpaarung ist rein theoretisch, da gefleckt mal gefleckt heute nicht mehr verpaart werden darf.

Wir stellen fest, dass von 64 Möglichkeiten: 25% Weißschecken sind, davon:

1 Welpe homozygot (Phänotyp reinweiß) (MMDDEE)

2 Welpen heterozygot gelb (Phänotyp Weißschecke) (MMDDEe)

1 Welpe homozygot gelb (Phänotyp weiß mit geringfügig gelben Flecken) (MMDDee)

2 Welpen homozygot gelb und heterozygot blau (Farbbild wie Vorgänger) (MMDdee)

1 Welpe homozygot blau und gelb (Phänotyp weiß mit geringfügig isabellfarbenen Flecken) (MMddee)

2 Welpen heterozygot blau (Phänotyp Weißschecke) (MMDdEE)

1 Welpe homozygot blau (Phänotyp weiß, geringfügig blaue Flecken) (mmddEE)

2 Welpen homozygot blau und heterozygot gelb (Phänotyp wie Vorgänger) (MMddEe)

4 Welpen heterozygot blau und gelb (Weißschecke) (MMDdEe)

50 % gefleckt, davon:

2 Welpen homozygot (Phänotyp rein weißschwarz gefleckt) (MmDDEE)

4 Welpen heterozygot gelb (Phänotyp fast rein weißschwarz gefleckt/vereinzelt gelbe Flecken) (MmDDEe)

2 Welpen homozygot gelb (Phänotyp weißgelb gefleckt/ Porzellantiger) (MmDDee)

4 Welpen homozygot gelb, heterozygot blau (Phänotyp Porzellantiger mit vorwiegend gelben Flecken) (MmDdee)

2 Welpen homozygot blau und gelb (Phänotyp Porzellantiger mit vorwiegend isabellfarbenen Flecken) (Mmddee)

4 Welpen heterozygot blau (Phänotyp weißschwarz gefleckt) (MmDdEE)

2 Welpen homozygot blau (Phänotyp blauweiß gefleckt) (MmddEE)

4 Welpen homozygot blau, heterozygot gelb (Phänotyp vorwiegend blaugefleckt) (MmddEe)

8 Welpen heterozygot blau und gelb (Phänotyp weißschwarz gefleckt) (MmDdEe)

Die Bezeichnung "homozygot" bei den oben genannten Gefleckten bezieht sich auf die Gelb-oder Blaugene, nicht aber auf das dominante Geflecktgen (Mn); denn unabhängig von den verdeckt getragenen Farben gelb oder blau ist natürlich ein gefleckter Hund immer heterozygot.

Bei den gesamten 50% der gefleckten Welpen können natürlich genau wie in der Reinfarbzucht Grautiger auftreten.

25% einfarbiqe. davon:

1 Welpe homozygot schwarz (mmDDEE)

2 Welpen schwarz, heterozygot gelb (Phänotyp schwarz; manchmal mehr oder weniger gelber Anflug) (mmDDEe)

1 Welpe homozygot gelb (mit fehlender oder schwacher Maske) (mmDDee)

2 Welpen gelb, heterozygot blau (Phänotyp wie Vorgänger) (mmDdee)

1 Welpe isabellfarben mit blauer Maske (mmddee)

2 Welpen schwarz, heterozygot blau (Phänotyp reinschwarz) (mmDdEE)

1 Welpe homozygot blau (Phänotyp reines Blau ohne Anflug) (mmddEE)

2 Welpen blau, heterozygot gelb (Phänotyp blau mit leicht gelbem Anflug) (mmddEe)

4 Welpen schwarz, heterozygot blau und gelb (Phänotyp schwarz mit leicht gelbem Anflug) (mmDdEe)

Bei der Verpaarung eines blau/gelb-faktoriellen Gefleckten mit einem blau/gelb-faktoriellen Schwarzen würde das Ergebnis ähnlich aussehen, bis auf die dann nicht möglichen 25 % Weißtiger (doppeltfaktoriell Merle).

Diese Kombination ist natürlich der Extremfall. Es kommt sicher sehr selten vor, dass zwei Hunde miteinander verpaart werden, die beide jeweils ein Allel für gelb und blau tragen. Ein rezessiv mitgeschlepptes Gelb- oder Blau-Allel sieht man den gefleckten Doggen im Farbbild eher selten an.

Bei 27 verschiedenen Genformeln aus 64 Welpen der oben genannten Verbindung sind also nur zwei vom Gelb- und Blau-Allel freie weißschwarz gefleckte Welpen dabei. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer Welpenzahl von durchschnittlich 8-10 Welpen diese zwei dabei sind, ist schon sehr gering. Der ausgespaltene homozygot-blaue Welpe ist jedoch genetisch sehr wertvoll, vorausgesetzt seine Eltern entsprachen im Exterieur dem Standard und haben dies auch weitergegeben. Er ist für die weitere Blauzucht ohne Bedenken einzusetzen und bringt eine erwünschte Blutauffrischung. Reines Stahlblau, gut dunkles Auge und die gesunde Vitalität der Farbmischlinge zeichnen ihn aus, ohne dass er die Farben seiner Eltern weitervererbt, da er in jedem Falle rezessiv reinerbig ist. Für den ausgespaltenen homozygot-gelben Welpen gilt das gleiche, nur sollte er in der Weiterverpaarung mit maskenstarken gelben oder gestromten Hunden verpaart werden. Der isabellfarbene Welpe entspricht zwar nicht den fünf Farbschlägen unseres Standards, ist aber eine interessante Variante und bringt in der Weiterverpaarung mit homozygot blau nur blaue und in der Weiterverpaarung mit homozygot gelb oder gestromt nur gelbe bzw. gestromte Welpen.

Andererseits gesehen, wenn wir aus oben genannter Extremverpaarung die Welpen, welche dem Standard in der Farbe entsprechen, aber ein Gelb- oder Blau-Allel weiterführen, hinzuzählen, ergibt sich gar kein so übles Bild. Von den 16 Doppelfaktoriell-Merle, die blau, gelb oder blau und gelb weiterführen, sind im Phänotyp immerhin alle Weißschecken und haben bis auf den einen Homozygoten den Vorteil, kaum taub oder blind zu sein. Die durch das Schad-Gen Merle hervorgerufenen Defekte sind bei homozygoten Weißschecken viel häufiger als bei solchen, die eine Disposition für blau oder gelb haben. Von den 32 gefleckten Welpen entsprechen im Phänotyp immerhin 16 dem Standard, vorausgesetzt, es sind keine Grautiger. Die Genformel des Grautigers ist die gleiche  wie für einen rein weißschwarz Gefleckten. Grautiger haben also nichts mit Blaueinkreuzungen zu tun. Sie kommen in der Reinfarbenzucht genau so häufig vor wie in der Farbkreuzung. Von den restlichen 16 einfarbigen Welpen entsprechen bis auf den einen Isabellfarbigen alle im Phänotyp dem Standard. In der direkten Verpaarung von gefleckten und gelben Partnern fallen im Wurf durch die Dominanz des gefleckten Hundes nur gefleckte und schwarze Welpen, vorausgesetzt, der gefleckte Partner kam aus Reinfarbenzucht und trug kein Allel für gelb. Das Wurfbild entspricht also auf dem ersten Blick dem einer Verpaarung mit einem schwarzen Hund. Die Gefleckten aus einer gefleckt/gelb Verbindung haben den Vorteil von zwei braunen Augen (das Auftreten von blauen Fisch- oder Glasaugen ist mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen) und einen schwarzen Nasenschwamm. Der Nachteil ist aber, dass das Fleckungsbild zerrissener als beim gefleckten Elternteil ist und große Neigung zur Stichelung hat. Aus diesem Grunde sollte diese Verbindung nur mit solchen Gefleckten gemacht werden, die eine absolut reine Grundfarbe haben und die in der Fleckung eher plattig sind.

Der interessierte Züchter hat nun drei Beispiele für Kreuzungsvarianten, und es ist ihm freigestellt, andere Kombinationen nach oben gezeigtem Prinzip anzuwenden. Voraussetzung dafür ist die Kenntnis der Genformel der zu verpaarenden Hunde.

Nun noch etwas zu den schwarzen Doggen aus schwarz/schwarz Verpaarung, die ihrerseits einen blauen Elternteil haben. Diese Verbindung wurde hinreichend in genetischen Abhandlungen beschrieben, und jeder Züchter weiß, dass in dieser Verbindung 25% reinerbig schwarze Welpen fallen. Diese sind ohne Bedenken in den gefleckten Farbschlag einzuführen. Da man diese reinerbig schwarzen von den mischerbigen äußerlich nicht unterscheiden kann, wäre eine Möglichkeit zur Erkennung die Versuchspaarung mit blau. Wenn hierbei ein voller Wurf nur schwarzer Welpen fällt, ist mit großer Wahrscheinlichkeit von der Reinerbigkeit des betroffenen Hundes auszugehen. Solche Hunde für die Geflecktzucht zu verwenden, bedeutet keine Farbkreuzung im eigentlichen Sinne.

Die Schwarzen aus gefleckt könnten, wie in der Sanierungszucht mit dem Rüden „Conan v.Hause Born“ geschehen, im blauen Farbschlag Verwendung finden, da sie das dominante Merle-Gen ihrer Ahnen nicht mehr tragen und somit auch nicht mehr weiterreichen können. Die schwarzen Hunde aus gefleckt sind reinerbig und bringen in der Verpaarung mit blau nur schwarze Welpen, die dann aber alle ein Allel für blau tragen, also mischerbig sind. Sie bringen eine gesunde Auffrischung für die ohnehin enge Population im blauen Farbschlag. Man sollte hierbei jedoch nur solche Schwarzen verwenden, die einen möglichst kleinen Brustfleck haben, um das Gen für Weißfleckigkeit nicht auf den blauen Farbschlag übermäßig zu übertragen.

Die Einkreuzung von gelb und gestromt in die anderen Farbschläge sollte in jedem Falle die Ausnahme sein.

Die Entscheidung kann nicht sein, Reinfarbenzucht oder Farbkreuzung, sondern muss lauten: Reinfarbenzucht oder Reinfarbenzucht in Verbindung mit ausgesuchten Farbkreuzungen.

Heutzutage sollte das Hauptaugenmerk in der Doggenzucht auf Gesundheit und Vitalität liegen. Erblich bedingte Krankheiten und Frühsterblichkeit müssen dringend wirksam bekämpft werden. Hier kann zwar die einfache Freigabe der Farbkreuzung nicht helfen, denn die KyDD-gezüchteten Doggen sind auch nicht gesünder als die DDC-Doggen, obwohl dort schon seit fast 20 Jahren die Farbkreuzung erlaubt ist.

Aber es wäre  vielleicht überlegenswert, mit Hilfe der Sanierungszucht Doggen aus langlebigen, gesunden Linien - diese findet man noch am ehesten unter den Gefleckten - in die anderen Farbschläge einzubringen.